ZahnmedizinFälle

Fälle

Viele Eltern fragen: Welche Zustände sehen wir in der Praxis, und was kann man dann tun? Zur Prävention stelle ich einige anonymisierte Fälle vor — mit Einwilligung der Patienten.

Die meisten hier gezeigten Zustände entstehen nicht über Nacht, und fast alle sind vermeidbar. Die Fälle sollen nicht abschrecken — ich möchte zeigen, worauf man zu Hause achten sollte und wie viel es bedeutet, rechtzeitig zu kommen.

01 Was richten zuckerhaltige Getränke an?

Ein siebenjähriger Junge, zum allerersten Mal in einer Zahnarztpraxis. Seine Mundhygiene war stark vernachlässigt, die meisten Milchzähne kariös — ein Bild, das typischerweise über lange Zeit entsteht, mit vielen zuckerhaltigen Getränken und ohne regelmäßiges Putzen. Süße Limonaden, Sirupe und Fruchtsäfte setzen die Zähne mehrmals täglich Säureangriffen aus: Der Schmelz verfärbt sich erst, dann entstehen Löcher — bei Milchzähnen mit ihrem dünneren Schmelz schneller als bei bleibenden Zähnen.

Deshalb ist Prävention so wichtig: Wasser statt zuckerhaltiger Getränke, zweimal täglich Zähneputzen unter Aufsicht (und bei Bedarf mit Nachputzen) der Eltern, und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen ab dem ersten Lebensjahr. So ein Zustand ist nie die Schuld des Kindes — aber die Wende gelingt nur gemeinsam.

Mundansicht
Mundansicht
Obere Zähne
Obere Zähne
Untere Zähne
Untere Zähne

Was kann man tun?

Bei derart ausgedehnter Karies ist eine Versorgung mit Füllungen nicht mehr möglich. Ziel ist es, Schmerzfreiheit zu erhalten und eine möglichst gute Mundhygiene zu erreichen, damit die bleibenden Zähne nicht in eine ähnliche Lage geraten. Bei Schmerzen kommen das Eröffnen („Aufbohren“) oder das Entfernen des betroffenen Zahns infrage.

02 Wie sieht eine Zahnfleischentzündung aus?

Unser vierzehnjähriger Patient kam mit vernachlässigter Mundhygiene: Das Zahnfleisch war an mehreren Stellen geschwollen und blutete leicht — das typische Bild einer Gingivitis. Die Ursache ist fast immer dieselbe: bakterieller Belag (Biofilm) am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenräumen, der beim Putzen nicht regelmäßig und gründlich entfernt wird.

Die Behandlung erfolgte mit unserem EMS-Gerät nach dem Protokoll der Guided Biofilm Therapy. Als ersten Schritt haben wir den Belag angefärbt — auf den Fotos zeigt die auffällige farbige Schicht genau, wo Biofilm auf den Zähnen verblieben ist. Das Anfärben hilft nicht nur uns: Auch der Patient sieht mit eigenen Augen, wohin die Zahnbürste nicht gelangt. Danach entfernte der AIRFLOW-Strahl aus warmem Wasser und feinem Pulver den Belag sanft, ohne Schaben.

Vor der Behandlung — frontal
Vor der Behandlung — frontal
Vor der Behandlung — rechte Seite
Vor der Behandlung — rechte Seite
Vor der Behandlung — linke Seite
Vor der Behandlung — linke Seite
Plaque angefärbt — frontal
Plaque angefärbt — frontal
Plaque angefärbt — rechte Seite
Plaque angefärbt — rechte Seite
Plaque angefärbt — linke Seite
Plaque angefärbt — linke Seite

Was kann man tun?

Die gute Nachricht in der schlechten: Eine Gingivitis ist mit der richtigen Pflege vollständig reversibel und vermeidbar. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, eine gute Putztechnik und die Reinigung der Zahnzwischenräume beugen ihr vor — unterstützt durch das individuell angeleitete Technik-Training im iTOP-Sinne, das Anett und Alíz in unserer Praxis anbieten.

03 Wie sieht eine Schmelzbildungsstörung aus?

Die kreideweißen bis gelblich-braunen Flecken auf den Zähnen unseres zwölfjährigen Patienten zeigen eine Schmelzbildungsstörung. Der Zahnschmelz entsteht während der Zahnentwicklung, noch vor dem Durchbruch — wird die Schmelzbildung in dieser empfindlichen Phase gestört, hinterlässt das bleibende Spuren am fertigen Zahn. Die häufigsten Bilder sind die Hypomineralisation (der Mineralgehalt des Schmelzes ist verringert, er ist weicher und poröser) und die Hypoplasie (der Schmelz ist dünner, mit grübchenförmiger Oberfläche).

Dahinter steckt selten eine einzelne greifbare Ursache: Fieberhafte Erkrankungen in Schwangerschaft und früher Kindheit, Sauerstoffmangelzustände, Frühgeburt, bestimmte Medikamente und genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Wichtig: Das ist kein Putzfehler. Betroffene Zähne können jedoch empfindlicher auf Heißes und Kaltes reagieren, schneller abnutzen, und der poröse Schmelz kariert leichter — deshalb brauchen diese Zähne engmaschigere Kontrollen.

Frontalansicht
Frontalansicht
Von links
Von links
Von rechts
Von rechts

Was kann man tun?

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. In leichteren Fällen genügen regelmäßige Fluorid-Remineralisation, Desensibilisierung und engmaschige Kontrolle. Ästhetisch oder funktionell störende oder kariös werdende Bereiche decken wir mit einer ästhetischen Füllung ab — so ist der Zahn geschützt und der Fleck verschwindet. Bei ausgedehntem, schwerem Befall kann später ein Veneer oder eine Krone infrage kommen; entscheidend ist die frühe Erkennung, denn mit rechtzeitig begonnenem Schutz lässt sich der Zahn langfristig erhalten.

04 Was passiert, wenn Frontzähne abbrechen?

Unser dreizehnjähriger Patient brach sich bei einem Unfall beide mittleren Schneidezähne ab (die mesialen — mittleren — Ecken der Zähne 11 und 21). Die Frontzahnfraktur ist eine der häufigsten Zahnverletzungen im Kindesalter — Fahrrad, Roller, Sport oder ein einfacher Sturz genügen. Der schnellste nächste Schritt ist die zahnärztliche Untersuchung: Von der Tiefe des Bruchs hängt ab, ob die Pulpa betroffen ist — und damit auch die Behandlung.

In diesem Fall war die Pulpa unverletzt, daher haben wir die abgebrochenen Ecken mit ästhetischen, zahnfarbenen Füllungen restauriert. Wie die Fotos zeigen, ist es nicht Ziel der Restauration, die Zähne zu „begradigen“ oder ihre Stellung zu verändern — das ist Aufgabe der Kieferorthopädie. Die Füllung gibt dem Zahn seine ursprüngliche Form zurück, auf die schonendste Weise.

Vor der Behandlung — die abgebrochenen Frontzähne
Vor der Behandlung — die abgebrochenen Frontzähne
Nach der Behandlung — mit ästhetischen Füllungen
Nach der Behandlung — mit ästhetischen Füllungen

Was kann man tun?

Bei einer frischen Fraktur so schnell wie möglich zum Zahnarzt — falls das abgebrochene Stück vorhanden ist, in Milch oder Kochsalzlösung aufbewahren und mitbringen. Eine oberflächliche Fraktur wird mit einer ästhetischen Füllung versorgt; bei tieferen Verletzungen mit Pulpabeteiligung sind Wurzelbehandlung und Aufbau nötig. Die Korrektur der Zahnstellung — falls erforderlich — erfolgt mit einer Zahnspange in einer eigenen kieferorthopädischen Sprechstunde.